Weisshorn, August 26
Weisshorn (4505 m) – Hochtour über den Ostgrat
Das Weisshorn ist mit 4505 Metern der zweithöchste Berg, dessen Massiv sich vollständig innerhalb der Schweizer Landesgrenzen befindet. Für mich als Bergführer Michael ist dieser majestätische Viertausender einer der beeindruckendsten Gipfel der Alpen. Wer diese Hochtour wagt, braucht ehrliche Ausdauer und Motivation: Weder Seilbahn, Lift noch E-Bike erleichtern den Aufstieg im Wallis.
Unser Abenteuer startet am Bahnhof in Randa im Mattertal. Von dort führt der schweißtreibende, aber wunderschöne Aufstieg hinauf zur Weisshornhütte (2932 m). Auf der Hütte genießen mein Gast und ich bei Kaffee und Kuchen das fantastische Panorama. Nach dem frühen Abendessen um 18:00 Uhr legen wir uns bald schlafen, denn die Tagwache ist bereits um 2:00 Uhr morgens.
Pünktlich um 2:15 Uhr starten wir angeseilt in die Dunkelheit. Die erste Hürde liegt in der Orientierung am sogenannten Wasserloch – einem Couloir, das wir im Zickzack queren müssen. Im Schein der Stirnlampen sieht eine benachbarte Rinne der richtigen Route täuschend ähnlich. Als Bergführer kenne ich die Tücken des Geländes: Auf Anhieb finde ich den richtigen Einstieg und die anschließende Felsrippe gibt uns fortan den klaren Weg zum Frühstücksplatz vor.
Gut 2,5 Stunden nach dem Aufbruch stehen wir am Frühstücksplatz, dem Einstieg zum berühmten Ostgrat des Weisshorns. Den Grat klettern wir im Dunkeln, bis an der Gipfelflanke die Dämmerung einsetzt. Hier schnallen wir die Steigeisen an und steigen zügig über harten Firn, Eis und Fels die letzten 400 Höhenmeter empor. Kurz nach 7:00 Uhr morgens stehen wir überglücklich auf dem 4505 Meter hohen Gipfel.



